Brandrede

nonameEure Götter sind nicht, wo ihr sie sucht. Sie sind nicht in den bunten Bildern, den Seminaren, den Stammtischen, den Vereinen, euren immer neuen „Gemeinschaften“, in denen ihr euch nicht kennt, weil ihr nicht durch das Feuer und nicht durch das Eis gegangen seid.

Eure Götter sind dort, wo ihr nicht hingeht, ihr nicht hinkönnt, ihr euch nicht hinwagt. Sie sind draussen im Sturm und im rollenden Donner, im Nebel, der über nasse kalte Felsen streicht, sie sind im Eis, im Wald, in reissenden und trüben Wassern und in der Tiefe einer überfrierenden See.

Dort waren sie immer, und als die Menschen in Rauch und Nebel lebten, brannte in ihnen Feuer, lebte in ihnen in Ordnung gegossenes Chaos, und darin waren sie den alten, wilden Göttern gleich: Sterne in der Winternacht.

Eure Götter sind nicht, wo ihr sie sucht. Sie sind nicht in eurer Freiheit, die nichts ist als die Sklaverei der Gelüste, sie sind nicht in eurem Selbst, das nichts sein kann ohne Herkommen und Ort.

Sie sind dort, wo in alten Namen ein Kind gezeugt wird, wo man einen der euren zu Grabe trägt. Sie sind dort, wo man gemeinsam Leid erfährt und sich in dunklen Nächten verschwört gegen das, was schlimmer ist als Krieg und Hunger und Tod: Anomie, das, was von innen heraus zerstört, was allein Krieg und Hunger und Tod zu widerstehen im Stand gewesen wäre.

Nur zu, zündet eure Kerzen an. Wir stehen an lodernden Feuern, wir tragen die Fackel der Wut. Wir setzen das Leben in den Tod hinein, wir tun was sein muss, und wir tun es, weil es richtig ist und wahr und gut. Kommt – wenn ihr denn könnt.

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