Unter Eichen

17854923_10154249231886933_6874234617508989435_oWenn du unter den Eichen stehst, immer noch schwitzend, immer noch ein wenig zitternd, hast du es geschafft. Dein Schädel brummt noch von den Schlägen, die Muskeln brennen von der Kraft, die du beim Ringen brauchtest. Doch nun ist alles gut. Vor dir steht der Sieger, der stärkste, der alle Kämpfe gewonnen hat. Er hat einen Kranz im Haar, hebt eine Schüssel empor, giesst etwas ins Feuer und die Flammen lodern heftig auf. Der Wind rauscht in den Blättern.

Nun sind sie hier, die grossen Götter. Donar, die Kraft. Wodan, die Wut. Fricco, die heisse, brennende Liebe. Sie sind im wiegenden Laub. Sie sind in deinem pochenden Herzen. Und als der Bekränzte dir Milch und Blut ins Gesicht schmiert, gehörst Du endlich dazu. Du bist Teil eines Bundes geworden. Eine Gemeinschaft von Gleichen. Von Männern, die dasselbe durchgemacht haben, durch dieselben heiligen Schauer gegangen sind, die selben tief prägenden Erlebnisse.

Vor einem halben Jahr warst Du noch etwas unsicher, als man dich in die Hütte in den Bergen lud. Es gab Fleisch und Wein, und am Anfang nahm man dich kaum wahr. Andere sprachen. Immer wieder brachte die Frau des Gastgebers einem ein Horn, forderte ihn auf, auf seine Ehre zu trinken. Die Reden wurden lauter und wilder. Und erst ganz am Schluss warst du an der Reihe, wusstest nicht, was du sagen solltest. Das würde das nächste Mal anders sein.

Denn nun kannst du stolz sein auf das, was du in diesem Winter erlebt hast. Das Hängen an dem windigen Baum in der kalten Spätherbstnacht. Der Gang durch das Feuer, das Eintauchen in das eiskalte Wasser. Das Überwinden der Ängste und Widerstände. Das Vertrauen unter Männern, die wissen, was sie tun.

Und dann der endlos lange Zug durch die Nacht, der Einmarsch in die gemütliche Feier der Freunde, die fremd und weit entfernt schienen durch den Dampf von Schweiss und kaltem Rauch, der aus den feuchten Fellen drang. Das Hämmern und Klopfen der Treicheln, das Heulen der Hörner. Die Erleichterung danach, im Morgengrauen, als oben in der Hütte noch alle schliefen und ihr euch im Tal in den Armen lagt, müde und stolz vom gelungenen Treichelgang.

Und nun der Kampf. Am frühen Morgen, Mann gegen Mann. Zuerst mit Fäusten, dann ringend am Boden. Das Johlen der Frauen, die ihre Helden anfeuerten. Die seltsame Verbindung, die nur unter respektvollen Gegnern entsteht.

Du möchtest sie nicht mehr missen, die schweigsamen Gesellen, die dich vor sechs Monaten zu ihrem Ehrenmal eingeladen hatten. Sie sind Genossen geworden, Freunde. Männer, denen du traust, auf die du dich verlassen kannst. Ihr Respekt ist deine Ehre. Du bist nun Teil von etwas, das grösser ist als du selbst. Teil einer Mannschaft, Teil eines Heers.

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