Budulak

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Wenn die Buben zu den Peri ziehen, werden sie rein. Hoch oben auf den Bergweiden sind sie weit von den Frauen, weit von den Männern, weit vom Dorf, und nahe am Tirich Mir, dem König des Chitral. Dort sind sie mit den Ziegen, die die Lebenskraft des Volkes sind, trinken vom Wasser, dass aus Schnee kommt und aus Eis, sind der harten, brennenden Sonne der Höhe nah, atmen eine Luft, die dünn ist und klar wie ein Wässerlein, das über Steine fliesst, und aller Dunst und aller Staub liegt weit unter ihnen in Tal, wo die Erwachsenen sind und die Kinder, die immer auch unrein sind, weil sie im Leben und nicht auf den Bergen sind. Einen Sommer lang sind die Buben den Peri nah, dann schwindet das Warme und Feuchte langsam aus dem Tal, und es wird Zeit für sie zurückzuziehen.

Nun sind sie Böcke, und sie bringen ihre Kraft in die Häuser und Gassen. Den reinen weissen Samen, unvergossen, stark von Milch und Licht, und sie legen ihn in die Frauen, die sie umtanzen und in denen sie zu Männern werden. Ihnen weichen alle, denn keiner ist so rein wie sie, keiner so jung, so kräftig, so stark.

Und wenn neun Monate später im Dunkel des Frauenhauses ein Kreischen die rauchige Luft zerreist, ist etwas vom Licht der Berge im Dorf erwacht, und das Leben geht weiter, und der Segen der Peri vom Tirich Mir steigt wie eine heisse Flamme aus dem blutenden gebärenden Leib.

Bei den Kalash im Hindukusch war es früher Brauch, dass die eben erst geschlechtsreif gewordenen Knaben nach dem Sommer auf den Bergweiden für eine Periode von 24 Stunden mit jeder Frau im Dorf Geschlechtsverkehr haben durften. Frauen, die sich ein Kind wünschten, aber keines bekommen konnten, setzten dabei all ihre Hoffnung auf die jungen Hirten aus den Bergen, die als besonders potent und gesund galten. Jedes Kind, dass aus einer solchen Begegnung stammte, galt als gesegnet und wurde im Dorf besonders hoch angesehen. 

Soweit der Mythos. Ob die Kalash diese Zeremonie jemals wirklich durchführten, oder ob sie immer schon immer nur in illo tempore stattgefunden hatte, wissen wir nämlich nicht. Bei den Kalash selbst scheint man schon als die ersten Ethnologen kamen davon ausgegangen zu sein, dass der Brauch „früher“ stattgefunden habe. Was geblieben ist, sind die erotischen Tänze der Hirten, die im Herbst von den Frauen des Tals gefeiert werden.

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